QVI SUMUS?

Das Projekt LEGIO X. THESAVRARIA TVRICENSIS PHOINIX ist aus einem internen Schulprojekt der Kantonsschule Freudenberg (LEGIO X GAVDAX MONTANA THESAVRARIA) hervorgegangen. Es wird ab FS 2014 als überschulisches Freifachprojekt und mit neuem Beinamen geführt (jeweils im Frühlingssemester).

Ziel des einsemestrigen Freifaches ist es, in die Welt des römischen Lebens im Gebiet der heutigen Schweiz vor 2000 Jahren einzutauchen. Dies ist grundsätzlich auf zwei Arten möglich: Entweder steht das Erlebnis im Vordergrund oder die wissenschaftlich genaue Rekonstruktion. Ersteres macht Spass, das zweite ist wertvoll und wichtig, aber sehr anspruchsvoll. Living history («gelebte Geschichte») ist der Versuch beides zu verbinden: Historische Ereignisse oder Lebenswelten werden so authentisch wie möglich nachgelebt. Im Zentrum steht also die wissenschaftliche Recherche, die jedoch nicht (nur) zu einer schriftlichen Arbeit, sondern auch zu einer Umsetzung des erworbenen Wissens in Form einer realitätsgetreuen Nachstellung führt. Ein gelungenes living history - Projekt verbindet also hohe wissenschaftliche Ansprüche mit hohem Erlebniswert. Es besteht eine enge Verbindung zur experimentellen Archäologie.

Unser ehrgeiziges Ziel besteht darin, 36 Stunden im Leben eines römischen Legionärs des ersten Jahrhunderts n. Chr. nachzustellen, der im Legionslager VINDONISSA stationiert war. Wir bringen ein Opfer dar als Abschied vom Zivilleben und marschieren in authentischer Ausrüstung ins Legionslager. Wir übernachten in nachgebauten Legionsunterkünften, verfeinern unsere Kampftechnik und prahlen nach antiker währschafter Legionsverpflegung am Lagerfeuer mit unseren Abenteuern von früher. Wehe dem, der in der Nachtwache einschläft und vom Centurio erwischt wird!

In Vindonissa, dem heutigen Windisch (AG), waren im 1. Jh. n.Chr. nacheinander drei römische Legionen stationiert. Rund 6’000 römische Legionäre und Hilfstruppen richteten sich im einzigen Legionslager im Gebiet der heutigen Schweiz dauerhaft ein. Mitglieder aus dem Senatoren- und Ritterstand Roms, die zur höchsten Führungsschicht des Imperiums zählten, absolvierten hier ihren mehrjährigen Militärdienst für den römischen Kaiser. Die Anwesenheit der Legion hatte weit reichenden Einfluss auf die einheimische keltische Bevölkerung. Der grösste Teil der Truppe wurde in Norditalien und Südfrankreich rekrutiert, von wo sie ihre mediterrane Lebensweise mitbrachten und unter der einheimischen Bevölkerung verbreiteten. Zudem sorgten die regelmässigen Soldzahlungen – eine jährliche Summe von 8.1 Tonnen Silberdenaren – für einen enormen Geldzufluss nach Vindonissa und in den Wirtschaftskreislauf der ganzen heutigen Deutschschweiz. Die Legionäre, die hier ihren Dienst versahen und sich z.T. nach ihrer Dienstzeit hier niederliessen, haben die römische Kultur und Lebensweise ins Gebiet der Schweiz gebracht: Die Kleidung, die Sprache, die Küche (mit neuen Kulturpflanzen), die Kunst und die Architektur. Die römischen Legionen in Vindonissa, die nur ein einziges Mal wirklich in Kampfhandlungen vor Ort verwickelt waren (bei einem Aufstand der Helvetier 69 n. Chr.), hatten zudem viel Zeit für anderes: Sie errichteten Infrastrukturbauten, etwa Strassen, die während des ganzen Mittelalters die wichtigsten und einzigen brauchbaren Verkehrswege blieben. Die römische Wasserleitung, die täglich 1.8 Mio. Liter Wasser ins Legionslager transportierte, ist noch heute in Betrieb (die einzige nördlich der Alpen notabene)! Im Legionärslager Vindonissa wurde auch das erste professionelle Spital der Schweiz betrieben. Die Legionäre hatten zudem Frauen und oft Kinder ausserhalb des Lagers (auch wenn das offiziell nicht erlaubt war), es fand auf diese Weise eine Verschmelzung der lateinischen mit der keltischen Kultur statt.

Im Freifach werden an Hand von Quellenmaterial und Fachliteratur zunächst die Grundlagen erarbeitet, um die römische Lebenswelt in einer Provinz des Reiches in möglichst vielen Aspekten (Verwaltung, Legion, Sprache, Religion, Kleidung, Wirtschaft, Essen, Schrift, etc.) zu verstehen und schriftlich zu dokumentieren. Eine römische Legion in ihrer Interaktion mit dem (zivilen) Umland dient uns als Modell. Die Teilnehmenden erarbeiten sich in kleinen Gruppen oder alleine den Status des Spezialisten und “trainieren” die übrigen Schüler in ihrem Gebiet. Parallel dazu erhalten die Kursteilnehmer eine „klassische“ Ausbildung zum Legionär: Ausrüstung, Marsch, Formation, Kampftraining. Vor den Sommerferien setzen wir das erworbene Wissen als Akteure vor Ort um. Vorausgesetzt wird neben der Faszination für die Antike grosses Engagement, denn mit unmotivierten Legionären erobert man kein Weltreich!

Der Freifachkurs richtet sich in der Aufbauphase an Stadtzürcher Gymnasiastinnen und -gymnasiasten ab dem 10. Schuljahr. Schülerinnen und Schüler des altsprachlichen Profils haben bei Überbelegung des Kurses Vorrang. Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 12 Schülerinnen und Schüler. Aufnahme von Schülerinnen und Schüler aus Gymnasien ausserhalb der Stadt Zürich auf Anfrage.






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